
Ausgrabungen in Agia Marina Xylia-Mavrovouni ermöglichen es, das komplexe System der Gewinnung, Verhüttung und des Transports nachzuvollziehen, das die imperiale Wirtschaft Roms auf Zypern stützte.
Seit der Antike war die Insel Zypern eng mit dem Abbau von Kupfer verbunden, einem Bodenschatz, der ihre Wirtschaft prägte und ihr die Integration in Handelsnetze ermöglichte, die sich über den gesamten Mittelmeerraum erstreckten. So machte der Reichtum an Kupfer im Troodos-Gebirge dieses Gebiet zu einem strategisch wichtigen Ort in der Antike, insbesondere in der hellenistischen und römischen Zeit. Tatsächlich bildeten der Abbau und die Metallurgie von Kupfer komplexe Produktionslandschaften, die durch Infrastruktur, Siedlungen und Transportwege miteinander verbunden waren.
In diesem Zusammenhang sind die jüngsten archäologischen Ausgrabungen an der Stätte Agia Marina Xyliatou-Mavrovouni im zyprischen Peristerona-Tal zu betrachten. Neue Daten haben es ermöglicht, diese Enklave als Zentrum der Kupferproduktion während der Römerzeit neu zu interpretieren, das Teil eines großräumigen territorialen Systems war, das die Bergbaugebiete im Landesinneren mit den Häfen an der Nordküste verband.
Das Projekt „Life at the Furnace” für eine neue Lesart des Territoriums
Die Ausgrabungen und Untersuchungen des Fundortes sind Teil des interdisziplinären Projekts „Life at the Furnace: Copper producing settlement ecosystems in the north-western Troodos” (Leben am Ofen: Ökosysteme von Siedlungen, die sich mit der Kupfergewinnung im nordwestlichen Teil des Troodos-Gebirges befassten). Ziel dieses Forschungsprogramms ist es, die Zusammenhänge zwischen Bergbau, Metallurgie, Besiedlung, Waldnutzung und Verkehrsnetzen im nördlichen Teil des Troodos-Gebirges zu rekonstruieren. Dieser landschaftliche Ansatz zielt darauf ab, die metallurgische Produktion als ein echtes integriertes ökologisches und wirtschaftliches System zu analysieren.
Das Untersuchungsgebiet liegt zwischen zwei bedeutenden antiken Stadtzentren: Tamassos im Inneren der Insel und Soloi an der Nordküste. In der Römerzeit spielte Tamassos eine untergeordnete Rolle, während Soloi als echtes Verwaltungszentrum und Exporthafen fungierte. In diesem geografischen Kontext ist die Lage des Metallurgiezentrums Agia Marina im Peristerona-Tal von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen diesen Räumen.
Das Vorkommen Agia Marina Xylia-Mavrovouni ist durch das Vorhandensein einer großen Schlacke, d. h. einer Deponie mit Abfällen aus der Kupferverhüttung, gekennzeichnet. Dieses Vorkommen wurde auf das Mittelalter datiert. Jüngste Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der größte Teil der metallurgischen Aktivitäten auf die späte Römerzeit zurückgeht. Diese chronologische Neubewertung basiert auf einer typologischen Analyse der Schlacken und der damit verbundenen Keramik, die einer Chronologie zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert n. Chr. entspricht.
Die Wahl des Standorts lässt sich durch seine morphologischen Bedingungen erklären. Auf einer Terrasse über dem Fluss gelegen, bot diese Enklave Zugang zu Wasser, relative Nähe zu Bergbaugebieten und eine direkte Anbindung an Transportwege. Da das Schmelzen von Metall enorme Mengen an Holzkohle, Arbeitskräften und Logistik erforderte, sind auf dem Gelände deutliche Spuren systematischer Nutzung zu sehen.
Straßeninfrastruktur und Kontrolle des Produktionsraums

Einer der wichtigsten Beiträge der Studie ist die detaillierte Rekonstruktion des römischen Straßennetzes im nördlichen Zentrum Zyperns. Die Straßen sorgten nicht nur für Mobilität, sondern strukturierten auch die politische und wirtschaftliche Kontrolle über das Gebiet, indem sie Stadtzentren, Produktionsgebiete und Kultstätten miteinander verbanden.
Die Hauptachse war eine Querstraße, die Tamassos mit Soloi verband. Diese Straße ist sowohl in alten kartografischen Quellen als auch in archäologischen Funden dokumentiert.
Das Peristeron-Tal spielte wiederum eine Schlüsselrolle als natürlicher Korridor zwischen Norden und Süden. Im Zuge der Erkundungsarbeiten wurden Straßenabschnitte, Dämme, geradlinige Planierungen und topografische Markierungen entdeckt, die dem römischen Straßenbau entsprechen. Die Regelmäßigkeit der Trassenführung und die Optimierung der Höhenunterschiede spiegeln die fortschrittliche technische Planung wider, die für große imperiale Infrastrukturen charakteristisch ist.
Kupfer und sein Zugang zum Mittelmeer
Nach dem Schmelzen musste das Kupfer zu den Exporthäfen transportiert werden. Während des größten Teils der Römerzeit war Soloi der wichtigste Hafen im Norden der Insel, obwohl die allmähliche Versandung seiner Bucht in späteren Zeiten die Nutzung alternativer Anlagen erforderlich machte. Die Entfernung zwischen den Produktionszentren und der Küste erforderte eine komplexe Logistik, die sich auf den Landtransport mit Wagen und Lasttieren stützte.
Untersuchungen zeigen, dass das im Inneren der Insel abgebaute Kupfer in die Wirtschaftskreisläufe des Römischen Reiches gelangte. Das Vorhandensein importierter Keramik in ländlichen und bergbaulichen Gebieten deutet auf einen ständigen Waren- und Lebensmittelstrom hin, der durch die Umverteilung aus den Küstenzentren aufrechterhalten wurde. Somit war die Kupfermetallurgie der Motor der Wirtschaft im Landesinneren Zyperns.
Viele der dokumentierten Routen wurden nicht nur von den Römern angelegt, sondern hatten einen älteren Ursprung. Hellenistische und in einigen Fällen sogar prähistorische Straßen wurden von der römischen Verwaltung zu einem einheitlichen Netz auf der Insel integriert und geordnet. Diese Kontinuität erklärt, warum bestimmte Korridore über Jahrtausende hinweg erhalten geblieben sind.
Die Studie befasst sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Produktion, Infrastruktur und der Verbreitung religiöser Stätten. In der Spätantike spiegelt die Verbreitung ländlicher Basiliken den wachsenden wirtschaftlichen und ideologischen Einfluss der Kirche wider. Die Lage frühchristlicher Kirchen in der Nähe wichtiger Verkehrswege deutet auf eine bewusste Strategie der Kontrolle über das Gebiet hin, ähnlich wie sie in anderen Provinzen des Römischen Reiches zu beobachten war.
In der Umgebung von Peristerona nimmt die Basilika Agios Varnavas und Ilarionas eine prominente Position neben der Nord-Süd-Straße ein. Obwohl sie erst später erbaut wurde, ist es wahrscheinlich, dass an dieser Stelle zuvor ein christliches Gebäude stand. Die Verbindung zwischen Straßen, Nekropolen und Kultstätten verstärkt somit die Vorstellung von der Landschaft als einem kulturell und wirtschaftlich vernetzten System.
Kupfer als historische Achse der zyprischen Landschaft
Die Ausgrabungen in Agia Marina Xylia-Mavrovouni und die Analyse des Straßennetzes im zentralen Teil Nordzyperns lassen die Rolle der Insel in der Wirtschaft des Römischen Reiches neu überdenken. Kupfer war nicht nur eine wertvolle Ressource, sondern auch das verbindende Element eines komplexen territorialen Systems, in dem Gewinnung, Schmelzen, Transport und Besiedlung eng miteinander verknüpft waren.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung landschaftlicher und interdisziplinärer Ansätze für das Verständnis der Antike. Das römische Zypern erscheint somit als ein dynamischer Raum, der vollständig in das Römische Reich integriert war und in dem die Nutzung der natürlichen Ressourcen das Gebiet und seine Infrastruktur nachhaltig geprägt hat.










