
Manchmal kommt jemand in mein Büro und sagt direkt: „Ich möchte eine Katze, die meine Nachbarn zum Schweigen bringt“. Keine Maine Coon, keine Bengal-Katze, nicht einmal eine Sphinx. Sie muss so ungewöhnlich sein, dass sich alle auf der Straße nach ihr umdrehen. Für solche Menschen gibt es eine Welt von Rassen, die nur Felinoologen und die passioniertesten Liebhaber kennen. Und wenn man ihre Geschichte kennenlernt, kann das tatsächlich unsere Sichtweise auf Katzen verändern.
Rasse 1: Lykoi – der Werwolf unter den Katzen existiert wirklich
Stellen Sie sich eine Katze vor, deren Fell fleckig wächst. Das Gesicht ist fast kahl, die Haut grau und leicht faltig, die Augen gelb und durchdringend. Der erste Gedanke der meisten Menschen: „Was ist mit ihr passiert?“ Die Antwort: nichts. So sieht Lykoi aus, oder „Werwolfkatze“ – eine Rasse, die durch eine natürliche Mutation in der Population von Hauskatzen entstanden ist und um 2011 als eigenständige Rasse beschrieben wurde.
Das Fell ist drahtig, auf dem Rücken dichter, auf dem Bauch und der Schnauze fast unsichtbar, wodurch die Katze den Eindruck eines „halb entkleideten“ Wesens vermittelt. Ihr Charakter entspricht überhaupt nicht ihrem Aussehen: Es handelt sich um ein liebevolles, sehr treues Tier mit einem starken Jagdinstinkt und Vorsicht gegenüber neuen Situationen. Die weltweite Population umfasst nur wenige Tausend Exemplare, bei uns sind es nur eine Handvoll. Die Preise für Kätzchen erreichen leicht Hunderte oder sogar Tausende von Euro.
Rasse 2: Minskin – ein Dackel, der miaut
Der Minskin sieht aus, als hätte jemand eine Sphinx flachgedrückt und ihr kurze Beine hinzugefügt. Ein langer Körper, sehr kurze Gliedmaßen und fast kein Fell – nur ein zarter Flaum an Schnauze, Ohren, Pfoten und Schwanz. Die Besitzer beklagen sich oft, dass solche Katzen ständig frieren, und sie haben Recht: Bei so wenig Fell spürt man die Kälte sofort.
Die Bewegungen des Minskins bestehen aus einer Reihe schneller, kurzer Sprünge. Das Springen fällt ihm schwer, aber er liebt es, wie ein kleines Aufziehspielzeug durch die Wohnung zu laufen. Dennoch können diese Katzen auf den Schrank klettern, indem sie Möbel als Leiter benutzen. Weltweit gibt es nur einige hundert Exemplare, sodass es sich um eine wirklich elitäre Rasse handelt.
Einmal führte ich eine Online-Beratung mit der Besitzerin eines Minskins durch, die seufzte: „Er sitzt ständig am Heizkörper.“ Und ich war überhaupt nicht überrascht.
Rasse 3: Mynuet (früher Napoleon) – Plüsch mit Charakter
Als eine Perserkatze vom Typ „Doll-Face“ mit einer Katze der Rasse Munchkin gekreuzt wurde, entstand die Rasse Mynuet. Früher wurde der Name Napoleon verwendet, aber etwa im Jahr 2015 wurde er offiziell geändert. Das Ergebnis? Ein flauschiger Ball auf kurzen Beinen mit einer leicht abgeflachten Schnauze. Ich erinnere mich an einen Kater namens Caesar – in seiner Transportbox sah er aus wie eine Wolke aus Fell mit aufgeklebten Augen.
Das Fell des Munchkins ist lang und hat eine sehr dichte Unterwolle.
Eine solche Katze sieht doppelt so groß aus, wie ihr Gewicht vermuten lässt (normalerweise 3–4 kg). Dieses Fell muss täglich gekämmt werden – bei nachlässiger Pflege fällt es sofort auf die Haut. Die kurzen Beine hindern sie nicht daran, auf das Sofa zu springen; der Sprung sieht einfach lustig aus, wie der Abschuss einer kleinen Plüschrakete.
Rasse 4: Toyger – Tiger in der Wohnzimmerversion

Toyger hat eine Aufgabe: wie ein Miniaturtiger auszusehen und nicht wie eine „einfach gestreifte Katze”. Seine Streifen sind vertikal, stark kontrastreich und in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet. Das Gesicht ziert eine helle „Brille”, der Körper ist lang und muskulös. Die Arbeit an dieser Rasse begann in den 80er Jahren, und in den folgenden Jahrzehnten erlangte sie volle Anerkennung in felinologischen Organisationen.
Auf Ausstellungen macht der Toyger einen großen Eindruck. Er hat einen schwankenden, kräftigen Gang mit deutlicher Schulterarbeit – wie ein wildes Raubtier. Unter den Streifen sind wellige Muskeln zu sehen, und jeder Streifen muss klar und durchgehend sein. Von seinem Charakter her ist er ein sanfter, geselliger Freund der Familie, der oft gut mit Kindern zurechtkommt – nur sein Aussehen erinnert an einen Tiger.
Rasse 5: Highland – ein privater „Luchs” im Haus
Der Highland ist relativ neu – die ersten Arbeiten an dieser Rasse begannen um das Jahr 2004. Man erkennt ihn an den langen, sogar 3–4 cm langen Büscheln an den Ohren, dem kurzen, oft gekrümmten Schwanz und dem gefleckten Fell.
Die Pfoten sind massiv, mit Fellbüscheln zwischen den Zehen, was sofort Assoziationen mit einer Luchse weckt.
Viele Menschen machen sich Sorgen um den Schwanz des Highlanders: „Ist er nicht gebrochen?”. Nein – sie haben ihn von Geburt an, oft leicht gedreht oder spiralförmig. Sie springen bis zu 2 Meter hoch und landen fast geräuschlos. Die Rasse befindet sich noch in der Phase der Standardisierung, und die Anzahl der Katzen ist nach wie vor sehr gering – ideal für diejenigen, die von einer Katze „wie aus dem Wald“ träumen.
Die ungewöhnlichsten Merkmale dieser Rassen
| Rasse | Charakteristischstes Merkmal |
|---|---|
| Lico | Fleckiges, teilweise nacktes Fell, Aussehen eines „Werwolfs“ |
| Minskin | Sehr kurze Pfoten und fast vollständiges Fehlen von Fell |
| Minuet | Langes, dichtes Fell auf kurzen Beinen – sieht aus wie ein Plüschball |
| Toiger | Tigerstreifen, vertikale Streifen und „wilder“ Gang |
| Highlander | Ohren mit Quasten und kurzer, gebogener Schwanz wie bei einem Luchs |
Warum seltene Rassen so teuer sind
All diese Katzen haben eines gemeinsam: eine mikroskopisch kleine Population. Weltweit gibt es nur wenige Tausend Lyka-Katzen, noch weniger Highland-Katzen und nur Hunderte von Minskins. Es gibt nur wenige Zuchtstätten, lange Wartelisten und eine sorgfältige Auswahl der Eltern. All dies führt dazu, dass die Preise für Kätzchen leicht Hunderttausende Zloty erreichen können.
Hinzu kommen die Anforderungen an die Pflege. Fast nackte Katzen brauchen ein warmes Zuhause und Temperaturkontrolle, langhaarige Katzen müssen täglich gebürstet werden, und sehr aktive Rassen brauchen Platz und Anregung, damit sie nicht zu gelangweilten, zerstörerischen „tickenden Zeitbomben” werden. Die Wartezeit für die Traumkatze beträgt oft 1–2 Jahre: zuerst muss ein geeignetes Zuchtpaar gefunden werden, dann kommt der Wurf und schließlich die Registrierung.
Bevor Sie eine Katze von Ihrer Wunschliste kaufen
Für solche Rassen gilt eine Regel: keine zufälligen Anzeigen. Eine geprüfte Zuchtstätte ist die Grundlage: Bei so seltenen Genen ist kein Platz für Improvisation. Bevor Sie sich jedoch auf die Warteliste setzen lassen, sollten Sie eine kleine Überprüfung durchführen.
- Informieren Sie sich gründlich über die Rasse: Aussehen, Charakter, typisches Verhalten und Bedürfnisse.
- Sprechen Sie mit mehreren Besitzern und Züchtern – Theorie trifft auf Praxis.
- Berechnen Sie den Zeit- und Kostenaufwand für die Pflege (Kleidung für Nackte, Kämmen von Langhaarkatzen, Spielzeug für aktive Katzen).
- Seien Sie darauf vorbereitet, dass Sie auf der Straße angesprochen werden, Fragen gestellt bekommen und fotografiert werden.
Ehrlich gesagt, als Arzt, der die unterschiedlichsten Katzenrassen gesehen hat, sage ich immer öfter: Seltene Katzen sind faszinierend, aber nach einem Monat sehen wir ihren „Wow-Effekt” nicht mehr und es bleibt der normale Alltag – Katzentoilette, Füttern, Spielen. Deshalb frage ich immer: Würden Sie diese Katze wählen, wenn sie wie eine gewöhnliche streunende Katze aussehen würde? Wenn die Antwort „Ja” lautet, weiß ich in der Regel, dass sie in gute Hände kommt.
Letztendlich ist es nicht das Etikett „seltene Katzenrasse”, das das Glück im Haus bestimmt, sondern wie gut wir unseren Katzenpartner ausgewählt haben. Unabhängig davon, ob neben uns eine Lico, eine Toyger oder eine gewöhnliche Hauskatze schläft, ist nach einigen Wochen nicht mehr ihr Aussehen entscheidend, sondern wie sie mit uns zusammenlebt. Und ihr ungewöhnliches Aussehen? Es bleibt eine angenehme Ergänzung zu zwanzig Jahren gemeinsamen Schnurrens.











