„Religiöse“ Rituale der Neandertaler? Diese Entdeckung könnte revolutionär sein

„Religiöse“ Rituale der Neandertaler? Diese Entdeckung könnte revolutionär sein
Neandertaler

Die Höhle Des Cubiertas in Piñilla del Valle in der Gemeinde Madrid ist eine der geheimnisvollsten archäologischen Stätten, an der Spuren von Neandertalern gefunden wurden

Untersuchungen in der Höhle Des Cubiert haben gezeigt, dass das Sammeln von Schädeln großer Pflanzenfresser ein regelmäßiges Phänomen und kein Einzelfall war. Folglich hatte das Sammeln solcher Überreste eine symbolische Bedeutung. Die Wissenschaftler kombinierten archäologische Forschungsmethoden mit geostatistischen Analysen, wodurch es ihnen gelang, „die Geschichte zu lesen, die in der Anordnung Tausender Steine und Knochen geschrieben steht”.

Eine Tradition, die über viele Generationen hinweg gepflegt wurde

„Religiöse“ Rituale der Neandertaler? Diese Entdeckung könnte revolutionär sein
Neandertaler

Auf der sogenannten dritten Ebene der Höhle von De Cubierta, an einem Ort, der als Tal der Neandertaler bekannt ist (die Ausgrabungen stammen aus der Zeit um 38.000 v. Chr.), wurde eine ungewöhnliche Sammlung entdeckt: mindestens 35 Schädel großer hornbewehrter Pflanzenfresser wie Bisons, Hirsche, Auerochsen und Nashörner. Diese Schädel wiesen Spuren von Schnitten mit Steinwerkzeugen auf. Gleichzeitig fehlten ihnen die Unterkiefer und Kieferknochen, was auf eine sorgfältige und gezielte Bearbeitung hindeutet. Für die Forscher war es überraschend, dass die übrigen Skelette dieser Tiere an dieser Stelle fehlten. Somit konnte die Höhle weder ein Lagerplatz für Jäger noch eine Behausung für diese Tiere gewesen sein. Wissenschaftler, die 2023 an diesem Ort Forschungen durchführten, stellten die Hypothese auf, dass das Vorhandensein von nur Schädeln auf eine gezielte Ansammlung hindeutet (sie wurden an diesen Ort gebracht). Sie könnten für die Neandertaler eine symbolische oder rituelle Bedeutung gehabt haben. Es musste jedoch noch eine weitere Frage beantwortet werden: Wurden die Schädel zur gleichen Zeit an diesem Ort platziert?

Die Forscher analysierten alle gefundenen Steinwerkzeuge und Knochen unter Berücksichtigung ihrer Lage im Raum der Höhle. Dies war sehr wichtig, da die Decke der Höhle im Laufe der Geschichte mehrfach eingestürzt war, was zur Bildung einer „Mischung” aus Ablagerungen, Knochen und Steinblöcken führte.

Die Untersuchung legt nahe, dass der erste große Einsturz der Decke zur Bildung einer „Lichtluke” oder Öffnung im oberen Teil der Höhle geführt haben könnte. Durch diese Öffnung konnten Neandertaler in die Höhle eindringen. Zu dieser Zeit tauchten in der Höhle Tier Schädel und Steinwerkzeuge auf. Diese Entdeckung ist von entscheidender Bedeutung für die Interpretation des Verhaltens der Neandertaler, die an diesem Ort lebten. Das Sammeln von Schädeln war kein einmaliges Ereignis, sondern eine wiederkehrende Praxis. Die Neandertaler taten dies über viele Generationen hinweg, während weiterhin Steine von der Decke fielen und nach und nach die Überreste zuvor begrabener Tiere bedeckten und teilweise zersplitterten, die schließlich (vermischt mit Gesteinsmaterial) einen „Kegel” bildeten.

So ergibt sich ein sehr anschauliches Bild: Gruppen von Neandertalern betraten wiederholt den schmalen Gang der Höhle und stapelten in ihrem breiteren Teil absichtlich die Köpfe großer Pflanzenfresser, die sie zuvor gejagt hatten und dann außerhalb der Höhle verarbeiteten.

Die Forschungsergebnisse bestätigen die Fähigkeit der Neandertaler, komplexe und symbolische Verhaltensweisen zu entwickeln, die als kulturelles Vorbild weitergegeben wurden. Das Stapeln von Tierschädeln muss für viele nachfolgende Generationen eine tiefe Bedeutung gehabt haben. Handelte es sich um Jagdtrophäen oder vielleicht um Opfergaben? Der Zweck solcher Praktiken ist Wissenschaftlern bis heute unklar.

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