Ihr vierbeiniger Freund kommuniziert ständig mit Ihnen – nur nicht mit Worten. Hunde nutzen ihren gesamten Körper, um ihre Emotionen, Bedürfnisse und Absichten zu vermitteln. Hier sind die wichtigsten Informationen, die Sie in diesem Leitfaden finden:

- Hunde kommunizieren hauptsächlich über ihren Körper (Ohren, Schwanz, Schnauze, Körperhaltung) und nicht über „menschliche” Emotionen – jedes Element ihres Körpers vermittelt bestimmte Informationen.
- Eine einzelne Geste, wie zum Beispiel das Wedeln mit dem Schwanz, kann nicht ohne den Kontext der Situation interpretiert werden – dasselbe Verhalten kann Freude, Stress oder Aufregung bedeuten.
- Die Kenntnis der Körpersprache verringert das Risiko von Bissen, Konflikten mit anderen Hunden und Verhaltensproblemen erheblich.
- Die regelmäßige Beobachtung des Hundes in alltäglichen Situationen – beim Spaziergang, beim Tierarztbesuch oder zu Hause – stärkt die Bindung und das gegenseitige Vertrauen.
- Beruhigende Signale (Gähnen, Nasenlecken, Blickabwenden) sind oft die erste Warnung, dass sich der Hund unwohl fühlt.
Die Körpersprache des Hundes – Grundlagen, die Sie kennen sollten
Hunde begleiten den Menschen seit etwa 15 bis 20 Tausend Jahren. In dieser Zeit haben sie mit uns eine äußerst verständliche Form der nonverbalen Kommunikation entwickelt. Im Gegensatz zu Menschen, bei denen die Stimme dominiert und Gesten eine untergeordnete Rolle spielen, nutzt Ihr Hund seinen gesamten Körper als wichtigstes Mittel der Selbstdarstellung.
Achten Sie auf den Unterschied zwischen Signalen, die an Menschen gerichtet sind, und Signalen, die an andere Hunde gerichtet sind. Augenkontakt oder Berührungen mit der Pfote sind typisch „menschliche” Verhaltensweisen, während eine seitliche Körperhaltung oder rituelles Beschnuppern zur Körpersprache von Hunden gehören, die hauptsächlich gegenüber Artgenossen verwendet wird.
Ein und dasselbe Signal kann je nach Kontext ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Knurren kann eine Warnung, ein Ausdruck von Unbehagen oder Angst sein. Daher ist es sehr wichtig, das Gesamtbild zu betrachten – die Verbindung aller Elemente des Hundekörpers mit der Situation, in der er sich befindet.
Eine falsche Interpretation, insbesondere Anthropomorphisierung (dem Hund „Bösartigkeit” oder „Rachsucht” zuzuschreiben), führt zu Frustration – sowohl bei Ihnen als auch bei Ihrem Haustier.
Wie Hunde im Alltag mit Menschen kommunizieren
Der Alltag mit einem Hund ist ein ständiger Austausch von Signalen. Vom morgendlichen Gruß über den Spaziergang bis hin zur abendlichen Entspannung – Ihr vierbeiniger Freund kommuniziert ständig mit Ihnen.
Typische Arten der Kommunikation zwischen Hund und Mensch:
- Blickkontakt – Der Hund schaut Ihnen in die Augen und sucht Aufmerksamkeit oder Hinweise.
- Berührung – er stupst Sie mit der Schnauze an, legt seine Pfote auf Ihr Bein, schmiegt sich an Sie
- Abstand – er nähert sich, wenn er Kontakt möchte, entfernt sich, wenn er Ruhe braucht
- Vokalisation – Bellen, Quietschen, Knurren
- Gesten mit dem ganzen Körper – Verbeugung zum Spielen, mit dem Hinterteil wedeln
Stellen Sie sich folgende Szene vor: Sie kommen nach Hause und Ihr Hund kommt mit einem Spielzeug im Maul auf Sie zu, verbeugt sich (Vorderpfoten auf dem Boden, Hinterteil angehoben) und wedelt energisch mit dem ganzen Körper. Das ist eine eindeutige Einladung zur Interaktion – es gibt keinen Zweifel an seinen Emotionen.
Was aber, wenn der Hund den Kopf wegdreht, gähnt oder sich die Nase leckt? Diese subtilen beruhigenden Signale bedeuten, dass er sich unwohl fühlt. Wenn Sie diese Signale ignorieren, kann es zu einer Eskalation kommen – zu Knurren und sogar zu einem Biss.
Als Besitzer sollten Sie die gewünschten Formen der Kommunikation fördern. Wenn der Hund ruhig auf Sie zukommt und nicht springt, schenken Sie ihm Aufmerksamkeit, streicheln Sie ihn oder geben Sie ihm ein Leckerli. Auf diese Weise bringen Sie ihm bei, dass ruhiges Verhalten positive Ergebnisse bringt.
Warum es so wichtig ist, die Körpersprache von Hunden zu verstehen
Die meisten „Verhaltensprobleme” könnten verhindert werden, wenn die Warnsignale im Voraus erkannt würden. Ein Hund greift selten „unerwartet” an – fast immer geht dem eine Reihe von ignorierten Signalen voraus.
Vorteile des Verständnisses der Körpersprache von Hunden:
- Mehr Sicherheit für Kinder in der Gegenwart von Hunden
- Weniger Konflikte bei Spaziergängen mit anderen Hunden
- Bessere Zusammenarbeit beim Training
- Leichtere Besuche beim Tierarzt
- Schnellere Erkennung von Schmerzen oder Krankheiten
Wenn Sie die Signale lesen können, reduzieren Sie den Stresspegel Ihres Hundes. Er sieht, dass Sie auf seine Signale reagieren – Sie machen eine Pause, wenn er sich anspannt, vergrößern den Abstand, wenn er unruhig ist. Das stärkt das Vertrauen.
Das richtige Lesen von Signalen ist die Grundlage der modernen Arbeit von Verhaltensspezialisten und Hundetrainern, die Methoden anwenden, die auf Vertrauen statt auf Zwang basieren.
Es lohnt sich, ein „Beobachtungstagebuch” zu führen – notieren Sie, wie Ihr Hund in stressigen oder freudigen Situationen aussah und sich verhielt. Mit der Zeit werden Sie charakteristische Muster Ihres Haustieres erkennen.

Wie man die Körpersprache eines Hundes liest – ein praktischer Leitfaden zu Signalen
In den folgenden Unterabschnitten werden einzelne Elemente des Hundekörpers separat betrachtet: Körperhaltung, Schwanz, Ohren, Augen und Schnauze. Denken Sie jedoch daran, dass Sie diese immer in Zusammenhang betrachten müssen – ein einzelnes Element ohne Kontext kann irreführend sein.
Dieser Abschnitt soll so praxisnah wie möglich sein. Hier finden Sie konkrete Beispiele für Verhaltensweisen, die Sie zu Hause, auf der Straße, beim Tierarzt oder im Hundepark beobachten können.
Beruhigende Signale – wie Gähnen, Lecken, Wegdrehen des Kopfes, langsame Bewegungen – sind oft die ersten Anzeichen dafür, dass der Hund überfordert ist. Lernen Sie, diese zu erkennen, dann können Sie Probleme leichter vermeiden.
Übung für den Anfang: Beobachten Sie eine Woche lang den Gesichtsausdruck und den Schwanz Ihres Hundes vor und nach dem Spaziergang. Notieren Sie die Unterschiede.
Körperhaltung des Hundes
Die Körperhaltung ist die Grundlage der Kommunikation von Hunden. Ein Hund, der aufrecht und angespannt steht, sendet ein ganz anderes Signal aus als ein entspannter Hund, dessen Gewicht gleichmäßig auf alle Pfoten verteilt ist.
Typische Körperhaltungen und ihre Bedeutung:
Achten Sie auf die Körperhaltung Ihres Hundes in bestimmten Situationen. Spannen sich Ihr vierbeiniger Freund und sein Gesicht an, wenn ein anderer Hund am Tor vorbeigeht? Drückt er sich im Aufzug an die Wand? Verharrt er regungslos im Wartezimmer des Tierarztes?
Kleine Details sagen viel aus. Die Höhe des Kopfes, die Beugung der Beine, ob der Hund seitlich oder frontal steht – all dies sagt etwas über seine Bereitschaft zum Kontakt oder seinen Wunsch, diesen zu vermeiden, aus.
Tipp: Wenn Sie sehen, dass sich ein Hund anspannt und „erstarrt”, ist es besser, Abstand zu halten, als auf Bellen oder Springen zu warten.
Der Schwanz des Hundes
Das Wedeln mit dem Schwanz bedeutet nicht immer Freude. Dies ist einer der häufigsten Interpretationsfehler. Wichtig sind die Höhe, Geschwindigkeit und Amplitude der Bewegung.
Wie man den Schwanz eines Hundes liest:
- Hoch erhobener Schwanz, langsame, steife Bewegungen – Erregung, manchmal Anspannung oder Selbstbewusstsein
- Schwanz auf Höhe des Rückens, frei wedelnd – normale Freude, Entspannung
- Gesenkter Schwanz, leichte Bewegungen – Unsicherheit, Vorsicht
- Zwischen den Beinen eingeklemmter Schwanz – Angst, starkes Unbehagen
Denken Sie daran, dass Rassen mit kurzem oder gekräuseltem Schwanz (Möpse, Französische Bulldoggen, Boxer) vor allem mit ihrem Hinterteil und ihrer Körperhaltung kommunizieren. Bei ihnen sollten Sie die Bewegungen der Hüften beobachten.
Szenen aus dem Leben:
- Begrüßung eines Familienmitglieds nach der Arbeit: Wedeln mit dem gesamten Hinterteil, entspannter Körper = pure Freude
- Auf einer belebten Straße: gesenkter Schwanz, leichte Anspannung = Wachsamkeit, möglicher Stress
- Während eines Feuerwerks: versteckter Schwanz, Körper am Boden gedrückt = starke Angst
Zwingen Sie Ihren Hund nicht, Fremde „freudig zu begrüßen”, wenn sein Schwanz deutlich Unsicherheit signalisiert. Respektieren Sie, was er Ihnen mitteilt.
Die Ohren des Hundes
Die Ohren verschiedener Rassen sehen völlig unterschiedlich aus – sie können aufrecht, halb hängend oder lang hängend sein. Unabhängig vom Typ vermitteln die Ausrichtung und die Spannung immer Informationen.
Was die Ohren eines Hundes aussagen:
Beobachten Sie die Ohren Ihres Hundes in alltäglichen Situationen. Wie reagiert er auf Schritte auf der Treppe? Was passiert mit den Ohren, wenn es an der Tür klingelt? Wie sehen sie während eines Gewitters aus?
Wichtig ist das Verhältnis der Ohren zum Rest des Körpers. Die Ohren sind nach hinten gelegt, aber der Körper ist angespannt und der Schwanz wedelt – das kann Aufregung bedeuten und nicht reine Angst. Betrachten Sie immer das Gesamtbild.
Tipp: Bei Hunden mit dichtem Fell oder langen Ohren achten Sie mehr auf den Ansatz der Ohren (am Schädel) als auf die Spitzen selbst – dort ist die Spannung am deutlichsten zu erkennen.
Augen und Mimik
Die Augen und die Schnauze eines Hundes sind eine äußerst reichhaltige Informationsquelle. Leider verwechseln Menschen oft ein „Lächeln” mit Unbehagen – erschwerte Atmung und offenes Maul mit gerunzelter Nase.
„Sanfter” Blick versus „harter” Blick:
- Sanfter Blick: sanfter Blick, keine Anspannung um die Augen, der Hund wirkt entspannt
- Harter Blick: intensives Starren, weit geöffnete Augen, sichtbares Weiß der Augen (sogenannter „Walblick”)
Typische Anzeichen von Stress im Bereich der Schnauze und der Augen:
- Gähnen in einer angespannten Situation (nicht aus Schläfrigkeit)
- Lecken der Nase ohne ersichtlichen Grund
- Wenden des Kopfes und Vermeiden von Blickkontakt
- Zusammenkneifen der Augen
- Angespannte Lippen, faltige Schnauze
Es gibt auch das sogenannte „Unterwürfigkeitslächeln“ – zurückgezogene Lippen, die die Zähne zeigen, aber dabei ein niedriges, weiches Körperverhalten und Schwanzwedeln. Das ist keine Aggression, sondern Unterwürfigkeit.
Ein Kontrast, den man sich merken sollte: Ein Hund, der nach dem Spielen im Park im Sommer frei atmet, im Gegensatz zu einem Hund, der in der Stille der Tierarztpraxis atmet – im zweiten Fall ist dies wahrscheinlich ein Zeichen von Stress und nicht von Müdigkeit.
Emotionen des Hundes in der Körpersprache – konkrete Beispiele
In diesem Teil finden Sie die Übersetzung theoretischer Signale in verständliche „Bilder”: Wie sieht ein glücklicher, gestresster, wachsamer, gereizter, aggressiver oder entspannter Hund aus?
Jeder Unterabschnitt enthält eine kurze Beschreibung, eine Liste typischer Signale und Beispiele aus dem Alltag. Denken Sie daran, dass es sich um eine natürliche Reaktion handelt, wenn die Emotion nicht lange anhält. Wenn sie chronisch wird (z. B. anhaltende Angst), sollten Sie einen Spezialisten konsultieren.
Wie man erkennt, dass ein Hund glücklich und spielbereit ist
Ein zufriedener Hund hat einen entspannten Körper und seine Bewegungen sind fließend und „weich”. Man sieht, dass er sich sicher und wohl fühlt.
Anzeichen von Freude:
- Entspannte Schnauze, leicht geöffnetes Maul
- Weiche Augen ohne Anspannung
- Frei wedelnder Schwanz (oft der ganze Hinterteil)
- Freie Ohren in natürlicher Position
- Begrüßung zum Spielen (play bow)
- Energische, aber kontrollierte Sprünge
- Höherer Tonfall beim Bellen
Beispiele für Situationen:
- Der Besitzer kommt von der Arbeit nach Hause – der Hund begrüßt ihn mit seinem ganzen Körper
- Gemeinsames Ballspielen im Garten – intensive Bewegungen, aber entspannter Körper
- Treffen mit einem Hundefreund beim Spaziergang – gegenseitiges Verbeugen, Verfolgungsjagden mit Rollentausch
Selbst während des Spiels kann der Hund manchmal „erstarren”, den Kopf abwenden oder weggehen. Das ist ein Signal dafür, dass er eine Pause braucht. Respektieren Sie das.
Reizen Sie den Hund nicht beim Spielen (ständiges Werfen des Balls, endlose Verfolgungsjagden), wenn Sie erste Anzeichen von Müdigkeit oder übermäßiger Erregung sehen.
Wenn der Hund Angst hat oder Stress empfindet
Angst und Stress können durch laute Geräusche (Feuerwerk in der Silvesternacht), beim Tierarzt, in einer Menschenmenge oder bei der Begegnung mit fremden Hunden entstehen. Der wissenschaftliche Ansatz zur Bewertung von Angst verwendet sogar eine Fünf-Punkte-Skala, die subtile Gesten mit offensichtlichen Symptomen kombiniert.
Signale für Angst und Stress:
- Angespannte Körperhaltung, Körper tief am Boden
- Schwanz zwischen den Beinen
- Ohren nach hinten gezogen, an den Kopf gedrückt
- Angespannte Lippen, faltige Nase
- Lecken der Lippen und der Nase
- Gähnen (ohne Schläfrigkeit)
- Zittern am ganzen Körper
- Intensives Schnüffeln ohne erkennbaren Grund
- Beschleunigte Atmung trotz fehlender körperlicher Anstrengung
Wie verhält sich ein Hund in der Wohnung während eines Gewitters:
- Sucht Schutz (Badezimmer, unter dem Bett)
- Schmiegt sich an Menschen, um Sicherheit zu suchen
- Atmet schwer, obwohl keine körperliche Aktivität vorliegt
- Kann das Futter verweigern, sogar seine Lieblingsleckereien
Was Sie tun können:
- Bieten Sie ihm die Möglichkeit, sich an einem sicheren Ort zu verstecken
- Verkürzen Sie den Spaziergang bei starkem Gewitter
- Bestrafen Sie den Hund nicht für seine „Flucht” – das ist eine natürliche Reaktion
- Erwägen Sie ein Training zur Verringerung der Empfindlichkeit
Anhaltender Stress (z. B. tägliche Angst vor dem Alleinsein zu Hause) erfordert die Konsultation eines Spezialisten, da er die körperliche und geistige Gesundheit des Hundes beeinträchtigt.
Wie verhält sich ein gereizter oder verärgerter Hund?
Reizbarkeit tritt auf, wenn der Hund ständig angefasst wird, durch die Leine eingeschränkt ist oder wenn andere Hunde oder Kinder seine Grenzen überschreiten. Dies ist eine natürliche Reaktion auf Überlastung.
Anzeichen von Reizbarkeit:
- Wenden des Kopfes von der Quelle des Unbehagens ab
- Steifheit des Körpers
- „Harter” Blick
- Schnelles Schwanzwedeln in mittlerer Höhe
- Kurzes, scharfes Bellen
- Abwenden in die andere Richtung
- Ignorieren von Befehlen, die er normalerweise ausführt
Beispiele für Situationen:
- Ein Kind im Park, das den Hund gewaltsam umarmt
- Ein anderer Hund, der trotz deutlicher „Weggehen”-Signale aufdringlich schnüffelt
- Langer Spaziergang in der überfüllten Innenstadt
Wenn der Hund Befehle ignoriert, sich sichtlich anspannt und keine Leckerlis mehr annimmt, ist dies ein Zeichen dafür, dass er mit Reizen überfordert ist. Beenden Sie die Situation.
Wichtig: Bestrafen Sie den Hund nicht für das Knurren. Knurren ist ein wichtiges Warnsignal, dank dem Sie einen Biss vermeiden können. Eine Bestrafung dafür führt dazu, dass der Hund keine Warnsignale mehr gibt und sofort zubeißt.
Signale eines aggressiven Hundes – wann Sie besonders vorsichtig sein sollten
Aggression ist eine Form der Kommunikation, die in der Regel zahlreichen, ignorierten Signalen von Stress und Irritation vorausgeht. Ein Hund greift nicht „ohne Grund“ an – fast immer gibt er vorher Zeichen.
Signale von Aggression:
- Stark angespanntes, fast erstarrtes Körper
- Das Gewicht wird auf die Vorderpfoten verlagert (Sprungbereitschaft)
- Gesträubtes Fell am Hals und entlang des Rückens
- Zähnefletschen mit angespannten Lippen
- Leises, tiefes Knurren
- Scharfes Bellen in tiefer Tonlage
- Bewegungsstillstand unmittelbar vor dem Angriff – absolute Stille
Situationen mit erhöhtem Risiko:
- Hund, der seinen Napf, sein Hundebett oder sein Spielzeug bewacht
- Hund, der vor einem Geschäft angebunden ist, wenn ein Fremder versucht, ihn zu streicheln
- Hund im Auto, der seinen Platz verteidigt
- Hund, der Schmerzen hat oder krank ist
Was tun:
- Nähern Sie sich nicht
- Machen Sie keine abrupten Bewegungen
- Beugen Sie sich nicht über den Hund
- Vergrößern Sie langsam den Abstand
- Schauen Sie dem Hund nicht direkt in die Augen
Wiederholte Aggressionserscheinungen erfordern immer eine Beratung durch einen Verhaltensspezialisten und eine tierärztliche Untersuchung. Aggression kann ein Symptom für Schmerzen, neurologische Erkrankungen oder tiefgreifende Verhaltensprobleme sein.
Wie sieht ein entspannter und ruhiger Hund aus?
Dies ist ein Zustand, den Sie zu Hause anstreben sollten: Der Hund schläft, ruht sich aus und reagiert nicht auf jedes Geräusch.
Anzeichen für Entspannung:
- Entspanntes Körper ohne Muskelverspannungen
- Liegt auf der Seite oder auf dem Rücken mit offenem Bauch
- Ruhige, gleichmäßige Atmung
- Weiche Ohren in natürlicher Position
- Halb geschlossene oder geschlossene Augen
- Schwanz in neutraler Position
- Entspannte Schnauze, manchmal leicht geöffnet
Beispiele:
- Der Hund ruht sich nach einem Spaziergang im Wohnzimmer aus
- Dösen während eines ruhigen Tages im Garten
- Schlafen in einer Transportbox, an die er richtig gewöhnt wurde
Die Möglichkeit, sich ungestört auszuruhen, ist ein wichtiges Bedürfnis eines Hundes. Bringen Sie Ihren Haushaltsmitgliedern (insbesondere Kindern) bei, dass ein schlafender Hund nicht geweckt und gestört werden darf.
Ein erwachsener Hund schläft durchschnittlich 12 bis 16 Stunden pro Tag. Ein Hund, der sich beruhigen kann und viel schläft, hat in der Regel ein besseres emotionales Gleichgewicht.
Typische Fehler bei der Interpretation der Körpersprache von Hunden
Viele Konflikte zwischen Hund und Mensch entstehen nicht durch „Ungehorsam”, sondern durch Missverständnisse der gesendeten Signale. Hunde kommunizieren klar – oft verstehen wir ihre Sprache nur nicht.
Die häufigsten Mythen:
Mythos Realität
„Er wedelt mit dem Schwanz, also ist er glücklich.” Schwanzwedeln kann auch Stress, Aufregung oder Frustration bedeuten.
„Er hat einen schuldbewussten Gesichtsausdruck, also weiß er, dass er etwas falsch gemacht hat.” Der Hund reagiert auf Ihren Tonfall und Ihre Körpersprache, er empfindet keine „Schuld”.
„Wenn er nicht beißt, bedeutet das, dass er keinen Stress hat.“ Ein Hund kann starken Stress haben, ohne sichtbare Aggression zu zeigen.
„Er will dominieren.“ Die meisten Verhaltensweisen sind durch Angst, Frustration oder falsche Erziehung bedingt.
Anthropomorphisierung – die Beschreibung eines Hundes mit Begriffen wie „bösartig“, „rächsüchtig“ oder „tut mir aus Bosheit weh“ – führt zu Missverständnissen. Ein Hund plant keine Rache. Sein Verhalten wird durch echte Emotionen ausgelöst: Angst, Frustration, übermäßige Erregung oder unbefriedigte Bedürfnisse.
Das Ignorieren des Kontexts ist ein weiterer schwerwiegender Fehler. Das gleiche Gähnen bedeutet in einer Situation (beim Fernsehen) Schläfrigkeit, in einer anderen (in einer überfüllten Tierklinik) starken Stress.
Tipp: Nehmen Sie kurze Videos vom Verhalten Ihres Hundes mit Ihrem Smartphone auf und analysieren Sie diese später. Am besten mit Hilfe eines Spezialisten, der Ihnen hilft, die subtilen Signale zu erkennen.
Warum Sie einen Hund nicht anhand einer einzigen Geste „lesen” sollten
Ein einzelnes Signal kann irreführend sein. Es müssen immer mehrere Elemente gleichzeitig berücksichtigt werden, ebenso wie die Situation, in der sich der Hund befindet.
Beispiel für ein mehrdeutiges Signal:
Ein Hund, der seinen Bauch entblößt, kann:
- Um Streicheln bitten (entspanntes Körperverhalten, wedelnder Schwanz, sanfter Blick)
- Unterwürfigkeit zeigen und darum bitten, den Druck zu beenden (angespanntes Körper, „Erstarren”, Blick abwenden)
Ohne eine Analyse des Gesamtbildes kann man leicht einen Fehler machen.
Eine andere Situation: Ein Hund wedelt mit dem Schwanz am Zaun, hat aber einen starren Blick und einen angespannten Körper. Dies ist eher Erregung und Frustration (der Wunsch, zu einem anderen Tier auf der anderen Seite zu gelangen) als reine Freude.
Hunde können auch „gemischte Signale” senden. Ein Hund aus dem Tierheim möchte vielleicht gleichzeitig auf einen Menschen zugehen und hat gleichzeitig Angst vor ihm. Sein Körper sendet dann widersprüchliche Signale aus – und das ist normal, denn es ist Ausdruck eines inneren Konflikts.
Lernen Sie, den gesamten Hund zu „lesen” und konzentrieren Sie sich nicht ausschließlich auf den Schwanz oder die Ohren. Nur dann können Sie Ihren Hund und seine Bedürfnisse besser verstehen.
Wo Sie zuverlässige Informationen über die Körpersprache von Hunden finden
Im Internet kursieren viele widersprüchliche Ratschläge. Es lohnt sich, zuverlässige Quellen zu nutzen, die auf Wissenschaft und nicht auf Mythen basieren.
Wo Sie fundiertes Wissen finden:
- Bücher und Atlanten zur Körpersprache von Hunden, herausgegeben von renommierten Verlagen für Verhaltenswissenschaften und Veterinärmedizin
- Werke von Forschern wie Turid Rugaas (Autorin des Konzepts der beruhigenden Signale) oder Mark Bekoff
- Zertifizierte Tierverhaltensspezialisten
- Hundetrainer, die mit positiven Verstärkungsmethoden arbeiten
- Tierärzte mit Erfahrung in Verhaltensmedizin
Es lohnt sich, praktische Seminare zu besuchen – Seminare zur Kommunikation mit Hunden werden in großen Städten organisiert. Dies ist eine hervorragende Gelegenheit, unter Anleitung von Fachleuten anhand von praktischen Beispielen zu lernen.
Warnung: Betrachten Sie soziale Netzwerke (kurze Videos, Memes) nicht als einzige Wissensquelle. Oft nehmen sie den Kontext aus dem Zusammenhang und vereinfachen die Botschaft. Ein virales Video eines „lustigen” Hundes kann in Wirklichkeit ein Tier in einem Zustand starken Stresses zeigen.
Wie man lernt, einen Hund zu beobachten – praktische Übungen für den Besitzer
Warten Sie nicht auf „Verhaltensprobleme”. Beginnen Sie schon heute, Ihren Hund in verschiedenen Situationen bewusst zu beobachten. Diese Fähigkeit können Sie jeden Tag weiterentwickeln.
Einfache Übungen zur Umsetzung:
- Tägliche Beobachtung – Nehmen Sie sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um Ihren Hund zu Hause zu beobachten, ohne mit ihm zu interagieren.
- Videoaufzeichnung – Dokumentieren Sie Begrüßungen, Spiele, Fütterungen und Spaziergänge an verschiedenen Orten.
- Übung „3 Fragen” – Bevor Sie entscheiden, wie Sie reagieren, fragen Sie sich: Was macht der Schwanz? Was machen die Ohren? Wie ist die Körperhaltung?
- Beobachtungstagebuch – Notieren Sie Datum, Ort, Situation und Beschreibung der Körpersprache (z. B. „Spaziergang in einem neuen Park, Hund hat sich zusammengekauert, Schwanz ist gesenkt, gähnt häufig”).
- Vergleich – Beobachten Sie denselben Hund in verschiedenen Situationen und notieren Sie die Unterschiede.
Arbeiten Sie mit einem Fachmann zusammen. Das Senden von Videos zum Verhalten des Hundes an einen Spezialisten und deren Besprechung in Beratungsgesprächen (online oder persönlich) beschleunigt den Lernprozess erheblich.
Wie man in der Praxis auf die Signale des Hundes reagiert
Das Ziel ist nicht nur, die Signale des Hundes zu verstehen, sondern auch das eigene Verhalten daran anzupassen. Dadurch fühlt sich Ihr vierbeiniger Freund bei Ihnen sicher.
Regeln für eine effektive Reaktion:
- Bestrafen Sie niemals das Knurren – es ist eine Warnung, die vor einem Biss schützen kann.
- Zwingen Sie den Hund nicht zum Kontakt mit Menschen oder anderen Hunden, wenn sein Körper deutlich „Ich will nicht” sagt.
- Belohnen Sie ruhiges, höfliches Verhalten
- Reagieren Sie „vorbeugend“ – wenn Sie die ersten Anzeichen von Stress sehen, und nicht erst, wenn der Hund zu bellen oder zu springen beginnt
Eine konsequente Reaktion auf diese Weise über mehrere Monate hinweg wird die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Hund erheblich verbessern und seinen Stresslevel senken.
Zusammenfassung – Was Sie über die Körpersprache von Hunden wissen sollten
Die Körpersprache von Hunden ist eine faszinierende Sprache, deren Erlernen ein Leben lang dauert. Ihr Hund „spricht nie ohne Grund“ – sein Körper kommuniziert ständig etwas. Je besser Sie diese Sprache verstehen lernen, desto tiefer wird Ihre Verbindung sein.
Denken Sie daran, dass der Kontext einer Situation genauso wichtig ist wie einzelne Gesten. Ein und dasselbe spezifische Verhalten kann je nach Ort, Anwesenheit anderer Tiere, Menschen, Lärm oder Tageszeit ganz unterschiedliche Bedeutungen haben.
Was Sie sich merken sollten:
- Beobachten Sie den gesamten Körper des Hundes, nicht nur den Schwanz oder die Ohren – alle Elemente bilden eine einheitliche Botschaft.
- Respektieren Sie beruhigende Signale (Gähnen, Lecken, Wegdrehen des Kopfes) – dies sind frühe Warnsignale.
- Bestrafen Sie das Knurren nicht – schätzen Sie es, dass der Hund Sie warnt und nicht sofort beißt.
- Der Kontext ist von entscheidender Bedeutung – dieselbe Geste kann in verschiedenen Situationen unterschiedliche Bedeutungen haben.
- Beobachtung, Geduld und Respekt vor den Grenzen des Hundes stärken das Vertrauen
- Bei Zweifeln oder beunruhigendem Verhalten konsultieren Sie einen Verhaltensspezialisten und einen Tierarzt
Wenn Sie Zeit in das Erlernen der Körpersprache Ihres vierbeinigen Freundes investieren, machen Sie ihm das beste Geschenk – das Gefühl, verstanden zu werden und in Sicherheit zu sein.
Zeigen alle Hunde ihre Gefühle auf die gleiche Weise?
Die grundlegenden Signale sind bei allen Hunden gleich – das ist das evolutionäre Erbe der Spezies. Allerdings beeinflussen Rasse, Persönlichkeit und Lebenserfahrung die Art und Weise der Kommunikation. Ein Hund, der nach schweren Prüfungen adoptiert wurde, kann bestimmte Emotionen zurückhaltender oder im Gegenteil übertrieben zeigen. Rassen mit stark verändertem Körperbau (flache Schnauzen, kurze Schwänze, dichtes Fell) erfordern eine aufmerksamere Beobachtung. Mit der Zeit werden Sie lernen, die Besonderheiten Ihres Haustieres zu verstehen.
Was tun, wenn ich mir nicht sicher bin, wie ich das Verhalten meines Hundes interpretieren soll?
Die beste Strategie ist, das Verhalten auf Video aufzunehmen, den Kontext zu notieren (wo Sie waren, was passiert ist, wer anwesend war) und einen Fachmann zu konsultieren – einen Verhaltensforscher oder Trainer, der mit positiven Methoden arbeitet. Raten Sie nicht und handeln Sie nicht voreilig, insbesondere wenn Sie Anzeichen von Stress oder Aggression erkennen. Eine einzige falsche Interpretation kann zu einer Eskalation führen.
Haben Welpen eine andere Körpersprache als erwachsene Hunde?
Welpen sind impulsiver und wechseln schneller ihre Emotionen. Sie übertreiben oft ihre Spielsignale – sie sind lauter, chaotischer und weniger präzise. Die Grundprinzipien (Position von Schwanz, Ohren, Körperhaltung) bleiben jedoch ähnlich. Denken Sie daran, dass kleine Welpen erst „gute Hundemanieren” lernen und möglicherweise noch nicht alle Signale verstehen, die erwachsene Hunde aussenden.
Wie kann man zwischen Spiel und Aggression zwischen Hunden unterscheiden?
Während des Spiels wechseln sich die Rollen ab – mal jagt ein Hund den anderen, mal der andere den ersten. Die Hunde machen Pausen, ihre Körper sind entspannt und ihre Bewegungen oft übertrieben und „unbeholfen”. Es sind höhere Belltöne zu hören. Bei Aggression ist der Körper angespannt, es gibt keinen Rollentausch und keine Pausen, es kommt zu einem „harten“ Blick, einem leisen Knurren, und ein Hund dominiert eindeutig den anderen, ohne zurückzuweichen. Wenn Sie Zweifel haben, unterbrechen Sie die Interaktion und trennen Sie die Hunde.
Kann ein Hund lernen, besser mit Menschen zu kommunizieren?
Ja, Hunde lernen sehr gut, welches Verhalten zu den gewünschten Ergebnissen führt. Wenn Sie konsequent ruhiges Verhalten anstelle von Springen und Blickkontakt anstelle von Bellen belohnen, wird der Hund diese Strategien häufiger anwenden. Der Schlüssel liegt in Ihrer Aufmerksamkeit und Ihrer konsequenten Reaktion auf die Signale des Hundes. Je besser Sie seine Körpersprache verstehen, desto besser passt er seine Kommunikation an Sie an.







